Ein Internetprojekt von "Baerwind 2010" im Auftrag der Rudi Baerwind-Stiftung zum 100. Geburtstag Rudi Baerwinds
Biographie

Der Maler Rudi Baerwind drückte nicht nur dem Mannheimer Kulturleben der Nachkriegszeit seinen Stempel auf. Er begleitete das Wiedererwachen avantgardistischer Kunst in der jungen Bundesrepublik nach den Gängelungen der NS-Zeit und setzte sich für ein Zusammenwachsen Europas mit den Mitteln der Kunst ein.
Unter dem Eindruck internationaler Strömungen wie Surrealismus, Tachismus und Informel lotete Baerwind die Möglichkeiten von abstrakter Formensprache und Figuration aus. Neben Ölgemälden und Grafiken gestaltete er Wand- und Glasmalereien, Bauplastik sowie Bühnenentwürfe für das Nationaltheater in Mannheim. Besonders in den 60er Jahren experimentierte er in seinen Mischtechniken mit unterschiedlichen Materialien.
Durch Porträts regionaler und nationaler Persönlichkeiten wie Walter Scheel, Günter Grass und Robert Häusser machte er sich einen Namen. Mit seinem 1968 gegründeten „Symposion der Künste" als Ausstellungs- und Begegnungsort in der Quadratestadt war er kreativer Kopf, Förderer und Anlaufstelle von Künstlern wie Kunstbegeisterten bis zu seinem Tod 1982.


In Frankreich wurde er, der über Jahrzehnte hinweg auch ein Atelier in Paris unterhielt, ebenso geschätzt wie in Deutschland. So regte er als einer der ersten den deutsch-französischen Kulturaustausch an. Zu seinem großen Pariser Freundeskreis zählte auch der französische Kulturminister André Malraux. Er erhielt bedeutende Auszeichnungen wie den französischen "Prix National"  (Cagnes-sur-Mer) 1970, die Mannheimer Schillerplakette 1975 und das Bundesverdienstkreuz 1976.

 

Unvergessen ist das 1968 von ihm ins Leben gerufene experimentelle "Symposion der Künste".  Den Ausstellungs- und Begegnungsort für die Mannheimer Kunst- und Kulturszene erwarb internationale Beachtung etwa durch die Auftritte des Schriftstellers Günter Grass, des Pantomimen Marcel Marceau und des italienischen Philosophen Ernesto Grassi. Bis zu seinem Tode spielte der stets unkonventionell auftretende Rudi Baerwind im kulturellen Leben Mannheims eine aktive, schillernde, kontrovers diskutierte und dadurch viele Zeitgenossen inspirierende Rolle.

 


Selbstporträt, 1952. Öl auf Leinwand.
Kunsthalle Mannheim
WVZ Nr. 5252selb0020017